
Nach mehrjährigem Warten konnte nun endlich eine kleine, aber feine und inhaltlich wichtige Lücke in meiner Sammlung zur Geschichte der Buchkunstbewegung in Deutschland am Anfang des 20. Jahrhunderts geschlossen werden: Der Katalog der Weltausstellung 1904 in St. Louis gesellt sich nun zu jenem der Leistungsschau in Paris vier Jahre zuvor.
Mit beiden Katalogen präsentieren sich nicht nur die deutschen Aussteller dem Ausland, sondern die Gestaltung beider Bände zeugt auch vom neuen künstlerischen Selbstbewusstsein des Landes: Während der Pariser Band zeigemäß mit Zeichnungen des jungen Bernhard Pankok, der auch die Drucklegung leitete, ausgestattet ist, hat für den jüngeren Band Peter Behrens den Buchschmuck gestaltetet und die Drucklegung geleitet.
Behrens damalige Abkehr vom ›ornamentalem‹ Jugendstil hin zur modernen, sachlich-geometrischen Gestaltung wird außen wie innen sehr deutlich.




Beide Bände wurden zudem jeweils aus einer eigens von Georg Schiller gestalteten hybriden Schrift gesetzt, welche die Eigenschaften einer Antiqua und Fraktur gleichsam miteinander verbinden sollte, um zum einen eine moderne deutsche Fraktur zu präsentieren und zum anderen damit sie auch für die englische und französische Ausgabe der Kataloge verwendet werden konnten. Nationalstolz und Pragmatismus Seite an Seite.




Auf diesen Aspekt geht auch Peter Jessen in seinen Beiträge zur ›Kunst‹ im Deutschen Buchgewerbe in beiden Bänden ein. Jessen, Kunsthistoriker und Bibliothekar, war einer der leidenschaftlichsten Förderer der neuen Buchkunstbewegung. Er leitete von 1887 bis 1924 die Bibliothek des Berliner Kunstgewerbemuseums und war Mitbegründer des Deutschen Werkbundes. Schon sehr früh erkannte er die entscheidende Bedeutung der englischen Pressen für die Entwicklung in Deutschland und warb in zahlreichen Vorträgen und Beiträgen, wie eben auch in den Katalogen, für eine zeitgemäße, werkgerechte Buchgestaltung.